Polizeibeamter – ein Traumberuf?

Fragt man Jugendliche nach ihrem Traumberuf, so rangiert der des Polizeibeamten an oberster Stelle. Viele verbinden mit diesem Berufsbild das spannungsgeladene Vorgehen und den damit verbundenen Nervenkitzel aus bekannten Kriminalserien. Nachdem die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 10 nun bald vor ihrem Abschluss stehen und sich die Frage nach dem zielgerichteten Anschluss stellt, war es höchste Zeit ein realitätsnahes Bild zu gewinnen.

Als Fachmann vor Ort war am 20.09.2018 Polizeikommissar R. Reusch an der Realschule An der Fleuth im Einsatz. Im Verlauf des Planspiels zur Aufgabe der Polizei im Rahmen der inneren Sicherheit hatten 14 SchülerInnen der Jahrgangsstufe 10 die Möglichkeit sich über die Anforderungen und Aufgaben im Polizeidienst zu informieren.

Wie wichtig Sozialkompetenzen und Teamarbeit bei der Polizei sind, erfuhren die SchülerInnen gleich zu Beginn des Projektes. Innerhalb eines selbst bestimmten Zeitrahmens musste für jedes Gruppenmitglied ein Namensschild angefertigt werden, doch niemand durfte seinen eigenen Namen schreiben. Nach der ersten Aufgabe stand fest, dass am Zeitmanagement noch gearbeitet werden muss. Bei der nachfolgenden Ballweitergabe innerhalb der Gruppe, wobei jeder Teilnehmer nur einmal den Ball berühren durfte, machten die SchülerInnen eine, für den Polizisten im Einsatz wichtige Erfahrung: schnell handeln, aber nicht hektisch werden. Gleichzeitig Ideen entwickeln, die der Situation angepasst sind und aus Fehlern lernen. Aus diesem Grund ist Fortbildung ein wichtiger Bestandteil des Polizeiberufes.

Im folgenden Planspiel galt es, die Sicherheit einer mittleren Stadt von ca. 90.000 Einwohnern zu gewährleisten. Dazu musste überlegt werden, welche Aufgaben die Polizei hat und mit welchen Einsatzmitteln sie ihrer Tätigkeit nachkommen kann. Zudem musste der optimale Standort einer Polizeiwache ermittelt werden.

Dabei galt es die Besonderheiten einer Stadt (z.B. Autobahnanbindung, Problemviertel, Bereiche mit hohen Kriminalitätsraten, Drogenmilieus, Vergnügungsviertel….) zu berücksichtigen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Gruppen nur 40 Minuten Zeit hatte Ideen zu entwickeln und sie abschließend zu präsentieren. Da waren Teamwork, Ideenreichtum und Zeitmanagement gefragt.

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Die Überlegungen zu den Aufgaben der Polizei und ihrer Vorgehensweise bei einem Einsatz, waren geprägt durch die Terroranschläge der vergangenen Jahre, die Vorfälle auf dem G20-Gipfel in Hamburg und die Ereignisse in Chemnitz. Der Schutz der Zivilbevölkerung in Bedrohungssituationen, die Überwachung zur Einhaltung von Gesetzen im Kleinen wie im Großen, aber auch die Prävention vor Straftaten und die Ahndung bei Gesetzesübertretungen kennzeichnen die vielfältigen Aufgaben der Polizei. Dabei ist der Einsatz der Dienstwaffe nur das allerletzte Mittel. Auch gilt der Grundsatz: Gefahrenabwehr vor Strafverfolgung.

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Die Möglichkeiten der Strafverfolgung wurden anhand eines alltäglichen Beispiels zum Ladendiebstahl gedanklich durchgespielt. Hier wurde deutlich, dass der gesetzliche Spielraum und der Datenschutz eindeutige Vorgaben machen über die sich auch die Polizei nicht hinwegsetzen kann.

Doch wie kommt man nun zu seinem Traumberuf bei der Polizei? Voraussetzung in Nordrhein-Westfalen ist das Abitur. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Vollabitur oder ein Fachabitur handelt. Letzteres sollte im sozialen Bereich absolviert werden, da gute Sozialkompetenzen im Umgang mit teilweise schwierigen Menschen und ein hohes Maß an Teamfähigkeit von den Bewerbern erwartet wird. Bewerber durchlaufen ein 3-tägiges Einstellungsverfahren, bei dem Deutschkenntnisse, logisches Denken, Merkfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit im Rahmen von Präsentationen überprüft werden. Während Letztere immer wieder während des Unterrichts trainiert werden, hatten doch viele TeilnehmerInnen Sorgen bei ihren Deutschkenntnissen. Kommasetzung, Groß- und Kleinschreibung, auch diese Aspekte werden getestet. Doch auch hier mussten die SchülerInnen zugeben, dass dies eine Sache der Übung, des Willen, seine Defizite zu beheben und der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ist. Diese Arbeitseinstellung ist unabdingbar für eine erfolgreiche Ausbildung zum Polizeibeamten.

Nach einem 3-jährigen Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung mit Theorie (polizei- und kriminalwissenschaftliche Inhalte und verschiedene Rechtsfächer), Training in Ausbildungsstätten (z.B. Tatortspuren suchen und sichern, Verkehrsunfälle aufnehmen, Fahr- und Sicherheitstraining, Schießausbildung) und Praxis in den Polizeibehörden, folgen Ersterfahrungen im Streifendienst. Die angehenden PolizistInnen werden auf den Berufsalltag intensiv vorbereitet und erhalten zahlreiche Hilfestellungen. Dabei muss die „Freizeit“ zum Lernen im Selbststudium genutzt werden. Die Durchfallquote bei der abschließenden Prüfung liegt bei 10 bis 15 %.

Angesichts des hohen Interesses und der zahlreichen Fragen, die von Herrn Reusch ausführlich und sehr anschaulich beantwortet wurden, gestalteten sich die 4 Stunden ausgesprochen kurzweilig. Am Ende waren sich alle TeilnehmerInnen darin einig dass dieses Planspiel, zur inneren Sicherheit und die Rolle der Polizei, ausgesprochen informativ war und den Wunsch Polizeibeamter zu werden, verstärkt hat. Zum Erfolg dieser Veranstaltung hat Herr Reusch durch seine humorvolle und begeisternde Art maßgeblich beigetragen.

Wie groß das Interesse am Polizeiberuf ist, zeigt sich darin, dass am 15.11.2018 eine weitere Gruppe der Jahrgangsstufe 10 die Möglichkeit zu diesem Planspiel erhalten wird.

Susanne Schmidt