Deutsch

Romeo und Julia – ein Unterrichtsversuch

„Romeo und Julia lesen? Nie werden wir gefragt, was wir lesen wollen!“

 So und ähnlich klang es in der 9c, nachdem sie die Ankündigung der nächsten Lektüre von ihrer Deutschlehrerin, Frau Awakowicz, erhalten hatte.

Und dann kam der Film mit Leonardo di Caprio und schon sah die Welt ganz anders aus. Fasziniert saßen die Schülerinnen und Schüler da, hörten der fremd klingenden Sprache Shakespears zu und sahen die Diskrepanz zur Darstellung einer recht modernen Welt der heutigen USA mit Hubschraubern, Autos und Handschusswaffen.

Als dann die Klasse noch in die zwei Lager der „Capulets“ und „Montagues“ eingeteilt worden war, war die Stimmung perfekt, um sich mit Shakespeare auseinander zu setzen. Aber auch dies fand nicht „wie immer“ statt, sondern wir bauten Standbilder, suchten geeignete Wappen für die beiden Gruppen, spielten kleine Szenen, die vorher auswendig gelernt worden waren und jetzt sind wir dabei, einen Film zu drehen… Romeo und Julia in unsere Schule hinein projiziert, mit Cliquen statt Familien, mit Streitigkeiten um den Basketballplatz, Liebe im Jugendzentrum und ohne Tote.Leonardo werden wir wohl nicht toppen, aber wir haben viel Freude an Shakespeare gehabt bei der Arbeit mit und an seinen Texten, wie man auf den Fotos sehen kann!

Martin unter Druck

„Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich endlich einmal gerne ein Buch gelesen habe!“
So einen Satz hört man nicht jeden Tag in deutschen Schulen. Daher ist es uns wichtig, auf ein 
ungewöhnliches Experiment an unserer Schule, aufmerksam zu machen, das vom  30 .11. 2009 bis zum 25. 01.2010 stattfand. Mädchen und Jungen sollten verschiedene Bücher lesen und dazu getrennt unterrichtet werden.

Vier 7. Klassen nahmen an dem Projekt teil, das jeweils in zwei Stunden in der Woche im Rahmen des Deutschunterrichts durchgeführt wurden. Vier Jugendromane standen zur Auswahl, aus denen sich die Schülerinnen und Schüler ein Buch aussuchen konnten.
Es fand dann auch kein „normaler“ Unterricht statt, sondern der Schwerpunkt lag darin, gerne zu lesen und selbst zu entdecken
.

Das Lesen musste natürlich auch zuhause stattfinden,  aber es gab auch die Möglichkeit sich zum Lesen in unsere Aula zurückzuziehen.

Noten wurden für diese Stunden nicht erteilt, sodass ein großer Freiraum entstand, der von den Jugendlichen zu füllen war. Entsprechend unterschiedlich war auch das Niveau der erreichten Leistungen. Ein Schüler sagte mir hinterher, er sei stolz, einmal ein Buch zu Ende gelesen zu haben.

Ein anderer Schüler dagegen hatte zuhause eine große Mappe mit Tagebucheinträgen, Beurteilung des Romans und vielen anderen Beiträgen erstellt. Andere Gruppen sah  man draußen im Flur, da sie sich bemühten ein Theaterstück zum Text einzuüben.
In einer Mädchengruppe entstanden zum Inhalt des Romans Handtaschen, die genäht wurden, um sie im Theaterstück benutzen zu können. Eine Jungengruppe erstellte ein riesiges Informationsplakat auf Tapete zu ihrem Roman.

Besonders kreativ waren auch zwei Schüler, die aus Knetmasse immer wieder neue Figuren formten, sie fotografierten und sie somit in bewegte Bilder umsetzten. Es entstand dabei ein kleiner Film zu einer Szene aus dem Roman „Martin unter Druck“.  

Insgesamt ein aufregendes, organisatorisch nicht ganz einfach zu gestaltendes Projekt, das es aber durchaus wert war.

Ch. Awakowicz