Übung für den Ernstfall

Es wird ernst. Die Zeit an der Realschule An der Fleuth neigt sich für die SchülerInnen der Klasse 10 dem Ende entgegen und damit beginnt die Suche nach einem Ausbildungsplatz .

Was kann in einem Bewerbungsverfahren auf mich zukommen? Was wird dabei von mir erwartet? Wie kann ich mich darauf vorbereiteten? All diese Fragen waren Bestandteil des Projektes „Auswahlverfahren“ im Rahmen der Lernpartnerschaft mit der Fa. Schaffrathmedien, an dem je zwei SchülerInnen der Jahrgangsstufe 10 am 22. Februar 2018 teilnehmen konnten. Unter der Leitung von Frau Schoofs (Personalabteilung) durchliefen die TeilnehmerInnen, in den Räumen der Fa. Schaffrathmedien, Übungen die für ein Assessement-Center typisch sind.

Der Projekttag begann mit dem Vorstellungsgespräch. Dazu hatte zuvor je ein „Bewerber“ aus jeder Klasse seine vollständigen Bewerbungsunterlagen für seinen Traumberuf eingereicht.

Ob Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, Beamtin im nicht-technischen Zolldienst, Bankkauffrau, Tiermedizinische Fachangestellte oder Verwaltungsfachangestellter, alle BewerberInnen waren gut über das jeweilige Berufsbild informiert. Sie konnten auf ihre Erfahrungen im Schülerbetriebspraktikum in Klasse 9 zurückgreifen und ihre Motivation gut vermitteln. Die Durchführung dieser fünf Vorstellungsgespräche war zeitintensiv und für die sehr interessierten SchülerInnen ausgesprochen informativ. So wurden wichtige Hinweise bezüglich geeigneter Formulierungen, Tipps zur Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch und Ausbildungsmöglichkeiten gegeben.

Im nachfolgenden Partnerinterview, bei dem jedem ein klassenfremder Schüler zugeordnet wurde, galt es innerhalb von 15 Minuten, wichtige berufsbezogene Informationen (z.B. Gründe für den Berufswunsch, erforderliche Soft-Skills, berufliche Ziele….) zu erfragen. Im Vordergrund dieser Übung stand die Kommunikationsfähigkeit. Dabei stellten einige Partner sehr schnell gemeinsame Freizeitinteressen wie Schützen und Kampfsportler fest. Während die Neigungen der Jungen überwiegend im Bereich Informatik angesiedelt waren, erwiesen sich die Mädchen in jedem angestrebten Berufsfeld als ausgesprochen zielstrebig. Die abschließenden Präsentationen vollzogen sich in sehr angenehmer Atmosphäre, wobei jeder jedem aufmerksam zuhörte.

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Dieses „Aufwärmprogramm“ war eine gute Voraussetzung für die sich anschließende Gruppendiskussion. Die TeilnehmerInnen sahen sich in der Rolle der Auszubildenden im 1. Ausbildungsjahr wieder. Sie hatten die Aufgabe für die Auszubildenden des 2. Jahres, die soeben ihre Zwischenprüfung erfolgreich abgeschlossen hatten, eine kleine Feier zu organisieren. Dabei mussten u.a. die Örtlichkeiten, das Programm und die Bewirtung im Rahmen des Budgets von 250 € geplant werden. Die Herangehensweise an diesen Arbeitsauftrag wurde zunächst strickt durchorganisiert und ließ vermuten, dass die TeilnehmerInnen schon vor dem gesetzten Zeitrahmen von 25 Minuten mit ihrer Planung fertig würden.

Durch Handzeichen erfolgte zunächst die Aufgabenverteilung, die einzelnen Diskussionspunkte wurden per Abstimmung entschieden, dabei musste der Punkt „Mottofindung“ gleich zweimal überarbeitet werden. Zunächst einigte man sich auf eine Kostümparty, das geht schließlich immer. Auf Nachfrage, wann denn Zwischenprüfungen in der Regel stattfänden, stellte sich heraus, dass kurz zuvor Karneval war. Einerseits ließen sich die Karnevalskostüme wiederverwenden, andererseits sollte die Feier doch etwas festlicher sein, so dass wohl das kleine Schwarze und der Anzug passender wären. Doch ein zweites Motto wurde schnell gefunden: „Die Hälfte ist geschafft!“. Stattfinden sollte das Ereignis in den Räumlichkeiten der Fa. Schaffrath medien. Zum Thema Bewirtung einigte man sich schnell auf Servierplatten mit Fingerfood im Kostenrahmen von ca. 30 €. Unbedingtes Muss war der Schokobrunnen. Als Leihgabe würden keine Kosten entstehen, das eingesparte Geld konnte man dann besser in die Schokolade investieren. Die Diskussion rund ums Essen führte dann schnell zur Anfangszeit. Der Empfang wurde auf 18.30 Uhr terminiert und sollte mit einer Begrüßungsrede beginnen, gefolgt von der Hauptfeier ab 19 Uhr. Angesichts der Tatsache, dass die Auszubildenden im 2. Jahr zwischen 18 und 20 Jahre sind, musste man auf Hochprozentiges verzichten. Somit war klar, dass Bier in einem Fass gekauft werden sollte. Schließlich hat man ja die Brauerei in der Nähe. Dazu noch Cola und Limo, das geht immer. Doch was ist eine Feier ohne Musik? Ein Teilnehmer wollte das erforderliche Equipment zur Verfügung stellen. Eine Tanzfläche wurde auch sehr schnell ausgeguckt. Damit blieb noch die Frage nach der Deko. In jedem Falle sollten es weiße Tischdecken sein, die man anschließend wegwerfen konnte. Das Ganze dann dekoriert mit weißen Vasen und blauen Blumen und abgerundet mit Luftballons. Die Feier sollte dann mit einer Abschlussrede zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden. Auch diese Gruppendiskussion verlief in sehr angenehmer Gesprächsatmosphäre, bei der jeder Teilnehmer seine Ideen einbringen konnte.

Abschließend wurde den SchülerInnen die Intention einer solchen Übung erläutert, die in Abhängigkeit der zu besetzenden Position unterschiedliche Persönlichkeitstypen favorisiert.

Der nächste Programmpunkt war die, für ein Assessment-Center typische Postkorbübung. Hier ging es darum, innerhalb von nur 20 Minuten ein strammes Schulwochenprogramm durchzuplanen. Neben den Vorbereitungen auf Deutsch- und Mathearbeiten, Vokabeltests bzw. Überarbeitungen von Biologie-Heftern, mussten die Familienfeier bei Oma und die Geburtstagsfete des besten Freundes berücksichtigt werden. Auch der Sport sollte nicht zu kurz kommen. Dann waren da noch die familiären Verpflichtungen wie Rasenmähen, Autowaschen, auf die Geschwister aufpassen und Besorgungen machen. Da musste jeder Prioritäten setzen.

Die meisten TeilnehmerInnen gehörten zu den Langschläfern, die das Wochenende langsam angehen lassen wollten. In der Folge musste dann so manche Lern-Kompakteinheit am Samstag eingeschoben werden. Auch das abendliche Lernen erfreute sich großer Beliebtheit, wohl in der Hoffnung im Vokabeltest am folgenden Tag vom Kurzzeitgedächtnis profitieren zu können. Die morgendliche Busfahrt eignet sich übrigens hervorragend zum Lesen der Deutschlektüre.

Frühaufsteher hingegen konnten sich die Lerneinheiten in kleine Häppchen aufteilen, wobei auch aktive Lernpausen eingeplant wurden, in denen man den Rasen mähen konnte. Mit der Idee, am Samstagmorgen um 7 Uhr den Rasen zu mähen, wird man sich bestimmt nicht viele Freunde in der Nachbarschaft machen. Doch ob Lerche oder Nachtigall, alle SchülerInnen zeigten bei dieser Übung, dass sie in der Lage waren, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Prioritäten zu setzen und waren sich darin einig: Freunde sind wichtiger als Kino oder Training!

Nach dem Motto „Bewegung macht müde“ planten einige TeilnehmerInnen ihre zu betreuenden kleinen Geschwister beim Einkaufen mitzunehmen. In diesen Fällen wird die Quengelzone vor der Kasse sicher zur großen Herausforderung! Andere wiederum griffen zur Universallösung, dem Fernseher, um die Ruhe zu einer weiteren Lerneinheit nutzen zu können.

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Den Abschluss bildete eine Einzelpräsentation. Die SchülerInnen hatten zu diesem Zweck einen Lieblingsgegenstand mitgebracht, der auf einer Messe vorgestellt werden sollte. Es galt einen passenden Werbeslogan und überzeugende Argumente zu finden mit dem mögliche Kunden zum Kauf animiert werden. Neben Halsketten und Uhren, wurden Hufeisen, Handy, Kopfhörer, ein Kartenspiel und ein Seifenspender-to-go angepriesen und mit viel Überzeugungskraft dargeboten.

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In der Feedback-Runde zum Ende dieses Projekttages waren sich alle SchülerInnen einig, dass sie nun wissen, was in einem Bewerbungsverfahren auf sie zukommt, was dort von ihnen erwartet wird und wie sie sich darauf vorbereiten können. Auch wenn einige TeilnehmerInnen nach dem Abschluss an der Realschule An der Fleuth zunächst eine weiterführende Schule besuchen werden, ein Bewerbungsverfahren wird auch auf sie irgendwann einmal zukommen. Insofern war dieser Tat eine gute Übung für den Ernstfall.

Susanne Schmidt